2. Juni 2026 Nina Friedl

Was Selfleadership wirklich bedeutet

und warum es nicht mit einem Kurs beginnt

Leuchtturm bei Dämmerung inmitten starker Wellen, dessen Lichtstrahl Orientierung gibt – Symbol für Selbstführung, innere Klarheit und Stabilität im Business.
Selbstführung bedeutet, auch in bewegten Phasen klar zu bleiben und dir selbst Orientierung zu geben.
Es gibt einen Moment, den ich bei fast jeder Frau erlebe, mit der ich arbeite. Irgendwo zwischen der ersten und zweiten Stunde unserer Zusammenarbeit. Sie hat gerade etwas ausgesprochen, das sie vorher noch nie so klar in Worte gefasst hat. Und dann wird es kurz still. Nicht unangenehm still. Sondern diese Stille, in der etwas landet.Und dann kommt der Satz: „Ich glaube, ich habe das immer gewusst. Aber ich habe aufgehört, wirklich hinzusehen.“ Das ist der Moment, um den es in diesem Beitrag geht. Um das Innehalten. Um das Hinschauen. Um das, was passiert, wenn eine Frau aufhört, sich anzupassen, und anfängt, sich zu führen.


Was Selfleadership wirklich bedeutet und warum es nicht mit einem Kurs beginnt

Selfleadership ist kein Trend. Es ist keine Methode, die man in einem Wochenend-Workshop lernt. Es ist die Grundlage von allem.

Wer sich selbst nicht kennt, führt andere aus einem blinden Fleck heraus. Wer die eigenen Muster nicht versteht, wiederholt sie, im Teamgespräch, in der Entscheidung, im Konflikt. Wer innerlich nicht stabil ist, braucht mehr Energie für die Außenwirkung als für die eigentliche Arbeit.

Selfleadership bedeutet konkret: Du weißt, wie du entscheidest. Du kennst deine Trigger. Du verstehst, warum du in bestimmten Situationen reagierst, anstatt zu agieren. Du führst aus einem Ort innerer Klarheit heraus, nicht aus Erschöpfung, Anpassung oder dem Wunsch, es allen recht zu machen.

Es geht nicht darum, keine Unsicherheiten mehr zu haben. Es geht darum zu wissen, wohin man schaut, wenn sie auftauchen.

Das klingt nach Innenschau. Und ja, es ist Innenschau. Aber es ist gleichzeitig das strategischste, was du für dein Business und deine Führung tun kannst.


Die ehrliche Wahrheit über Frauen in Führung

Lass mich kurz in die Zahlen gehen, weil sie wichtig sind.

In Deutschland war 2024 nur knapp jede dritte Führungskraft weiblich – genau 29,1 Prozent. Das ist weniger als zwei Drittel des Frauenanteils unter allen Erwerbstätigen, der bei 47 Prozent liegt. Der Bildungsvorsprung ist längst vorhanden: 47 Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen haben einen tertiären Bildungsabschluss, aber nur 36 Prozent der gleichaltrigen Männer. Frauen sind also besser ausgebildet, aber seltener in Führung. Dieses Missverhältnis hat viele Ursachen. Eine davon wird selten offen benannt.

Viele Frauen führen in Strukturen, die nicht für sie gebaut wurden und passen sich an, statt sie zu verändern.

Sie lernen, wie man in männerdominierten Umfeldern funktioniert. Sie übernehmen Kommunikationsstile, Entscheidungslogiken und Führungsbilder, die nicht ihren eigenen entsprechen. Und irgendwann wissen sie nicht mehr genau, was ihre echte Haltung ist und was antrainierte Anpassung.

Das kostet Energie. Täglich. Und es kostet Wirkung, weil nichts so wenig überzeugt wie jemand, der eine Rolle spielt.

Laut McKinseys Studie „Diversity Matters Even More“ sind Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil in der Führungsebene 21 Prozent wahrscheinlicher, ihre Mitbewerber bei der Profitabilität zu übertreffen. Forschungsergebnisse zeigen außerdem, dass Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen von mehr Innovation, gesünderen Unternehmenskulturen und stärkerer Performance profitieren.

Diese Zahlen sprechen nicht für Frauenquoten um des Prinzips willen. Sie sprechen dafür, dass Frauen, die sich selbst führen und aus ihrer eigenen Stärke heraus wirken, Unternehmen nachweislich besser machen.


Der Leuchtturm und die Wellen

Ich benutze oft ein Bild, das mir sehr viel bedeutet, weil es genau beschreibt, was ich meine.

Ein Leuchtturm steht nicht trotz der Wellen. Er steht mit ihnen. Die Wellen kommen, manchmal ruhig, manchmal gewaltig, manchmal mitten in der Nacht. Aber der Leuchtturm wankt nicht. Er navigiert andere sicher durch das, was er selbst nicht aufhalten kann.

Genau so führt eine Frau, die sich selbst kennt. Nicht weil sie keine schwierigen Situationen hat. Sondern weil sie weiß, wer sie ist, wenn sie darin steckt.

Innere Stabilität ist keine Eigenschaft, mit der man geboren wird. Sie ist das Ergebnis von Selbstkenntnis. Und Selbstkenntnis ist kein Zufall. Sie ist Arbeit. Klare, ehrliche, manchmal unbequeme Arbeit an sich selbst.

Diese Arbeit hat einen konkreten Effekt im Außen. Wer innerlich stabil ist, kommuniziert klarer. Wer sich selbst kennt, trifft bessere Entscheidungen. Wer seine eigenen Muster versteht, führt Teams mit mehr Empathie und weniger Drama. Wer nicht permanent zwischen Selbstzweifel und Kompensation pendelt, hat mehr echte Energie für die eigentliche Arbeit.


Ich kenne dieses Muster. Von innen.

Ich war über viele Jahre operative Führungskraft. Geschäftsführerin mit Umsatzverantwortung, Teamaufbau, Druck auf allen Ebenen. Ich habe geliefert. Ich habe funktioniert. Ich habe Dinge getragen, die eigentlich zu viele waren, ohne es so zu benennen, weil man das ja so macht. Man ist stark. Man ist da. Man löst.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass meine größte Stärke, diese Fähigkeit, alles alleine zu tragen, gleichzeitig mein blinder Fleck war. Ich habe mich an Erwartungen angepasst, bevor sie überhaupt ausgesprochen wurden. Ich habe Entscheidungen aus Erschöpfung getroffen, weil ich keine Zeit hatte, innezuhalten und wirklich zu fühlen, was ich wollte.

Die Mutterschaft hat das verändert. Nicht weil ein Kind alles romantisch in die richtige Perspektive rückt, das wäre gelogen. Sondern weil sie mich gezwungen hat hinzuschauen. Auf das, was ich wirklich brauche. Auf das, was mich wirklich antreibt. Auf das, womit ich aufgehört habe zu spielen, weil es sich nicht professionell genug anfühlte.

Heute führe ich anders. Nicht weil ich weniger leiste. Sondern weil ich weiß, von wo aus ich leiste.

Ich lebe auf dem Land, mit meiner Patchworkfamilie, zwei Söhnen, einer Bonustochter, Tieren, Weite und einer Portion Chaos, das sich richtig anfühlt. Ich fahre Motorrad, weil mir dieses klare Im-Moment-Sein etwas gibt, das kein Meeting der Welt ersetzen kann. Ich führe mein Business so, dass es zu meinem Leben passt, nicht mein Leben so, dass es zu einem Businessmodell passt, das nie für mich entworfen wurde.

Das ist Selfleadership. Nicht als Konzept, sondern als gelebte Haltung.


Was passiert, wenn Selfleadership fehlt

Wenn ich mit Frauen arbeite, die erfolgreich sind und trotzdem erschöpft, sieht das Bild meistens sehr ähnlich aus. Das Außen funktioniert. Die Zahlen stimmen. Die Präsentation wirkt souverän. Aber innen ist da ein Rauschen.

Ein permanentes Hinterfragen der eigenen Entscheidungen. Ein Schwanken zwischen Überzeugung und Zweifel, das sich nicht auflöst, egal wie viel Bestätigung von außen kommt. Eine Erschöpfung, die nicht durch Urlaub weggeht. Das Gefühl, mehr zu geben, als zurückkommt, und gleichzeitig nicht genau zu wissen, wo das hingeht.

Das sind keine Charakterschwächen. Das sind Zeichen dafür, dass die Führung von außen nach innen läuft, statt von innen nach außen.

Wer sich von außen definieren lässt, braucht konstant externe Bestätigung. Wer von innen führt, hat eine Referenz, die nicht davon abhängt, ob das letzte Meeting gut lief.


Warum das für CEOs und Unternehmen relevant ist, nicht nur für die einzelne Frau

Ich spreche hier nicht nur zu Frauen, die für sich selbst Klarheit suchen. Ich spreche auch zu Unternehmen und CEOs, die Frauen in Führung haben oder gezielt aufbauen wollen.

Unternehmen, an deren Spitze eine Frau steht, haben laut KfW-Forschung einen annähernd fünfmal höheren Anteil weiblicher Führungskräfte als männergeführte Unternehmen. Und McKinsey zeigt: Eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen um 10 Prozent führte zu einem durchschnittlichen Anstieg des Anteils weiblicher Beschäftigter und Führungskräfte um 2,1 Prozent in den zwei Folgejahren. Weibliche Führung zieht weibliche Führung nach sich.

Aber dieser Effekt entsteht nur dann nachhaltig, wenn die Frauen in diesen Rollen aus sich heraus führen, nicht in Anpassung an bestehende Strukturen. Eine Frau, die einen männlichen Führungsstil imitiert, um akzeptiert zu werden, schafft keine neue Kultur. Sie reproduziert die alte.

Was Unternehmen wirklich gewinnen, wenn Frauen in Führung innerlich stabil und authentisch wirken, ist nicht nur Diversität auf dem Papier. Es sind klarere Entscheidungen, weniger Reibungsverluste in Teams, mehr psychologische Sicherheit im Unternehmen und Führungskräfte, die nicht nach drei Jahren ausbrennen.

Eine Frau, die sich selbst führt, führt andere besser. Das ist keine These. Das ist das, was ich täglich in meiner Arbeit erlebe.


Wie ich dabei begleite und was das konkret bedeutet

Meine Arbeit beginnt immer bei der Person, nicht beim Problem. Weil ich in über 16 Jahren Führungserfahrung gelernt habe, dass das, was an der Oberfläche als Business-Problem erscheint, fast immer tiefer sitzt.

Im Executive Design Profile arbeiten wir in einer intensiven 1:1 Session von etwa zwei Stunden heraus, wie du als Person wirklich aufgestellt bist. Auf Basis deines Human Design Charts verstehen wir, wie deine Energie funktioniert, wie du Entscheidungen triffst, wo deine natürliche Stärke liegt und wo du dich möglicherweise gegen dich selbst arbeitest. Das ist der erste Schritt. Oft der Moment, in dem diese kurze Stille entsteht.

In der Identity Self-Leadership Journey, einem drei-monatigen Mentoring-Prozess, gehen wir tiefer. Wir bauen das Fundament neu auf. Wir bringen Ordnung in das, was sich unklar oder schwer anfühlt. Wir verstehen, warum bestimmte Muster dich immer wieder ausbremsen. Und wir übersetzen das alles in konkrete Führung, Positionierung und Business-Entscheidungen, die sich nach dir anfühlen.

Für Unternehmen und CEOs, die Führungsteams entwickeln wollen, gibt es den Business Partner and Team Dynamics Ansatz: Erst verstehen sich alle als Einzelpersonen. Dann machen wir sichtbar, wie das Team optimal zusammenarbeitet, wie entschieden wird, wo Rollen unklar sind und wo unnötige Reibung entsteht.

Das Ziel ist immer dasselbe: Führung, die nicht erschöpft. Wirkung, die nicht erkämpft werden muss. Klarheit, die bleibt.


Wenn du erkennst, dass du schon lange weißt, dass sich etwas verändern muss, aber noch nicht genau weißt, wo du anfangen sollst, dann ist das Executive Design Profile der erste logische Schritt. Eine Stunde Innehalten. Mit dem Werkzeug, das klar macht, wer du wirklich bist.

 

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